frohe Weihnachten

Ich wünsche allen Lesern ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest.

Viele schöne Momente, an die ihr euch gerne erinnert.

Hier eine meiner Weihnachtsgeschichten für euch.

Alles für die Tonne, oder? © Helga Kopp

Erich und Helena sind ein älteres Ehepaar. Helena ist Russlanddeutsche, und obwohl sie schon viele Jahre in Deutschland lebt, schämt sie sich, weil sie die Sprache nicht akzentfrei spricht, daher geht sie nicht gerne einkaufen. Seit Erich in Rente ist, muss er das übernehmen. 

„Schreib dir einen Einkaufszettel“, sagt sie zu ihm, aber Erich antwortet jedes Mal wieder, das kann ich mir merken!“ 

Helena möchte Linsen haben, Linsen mag Erich gar nicht. Daher brachte Erich öfter statt Linsen Erbsen nach Hause. Oder anstelle von Leberwurst, Salami, oder statt Kopfsalat, Eisbergsalat. Wenn ihn seine Frau darauf ansprach, entgegnete er, ach ich bin mir sicher, du hast mir das so aufgetragen. Helena schimpfte dann mit ihm, „Erich, du wirst vergesslich, du solltest dir das nächste Mal eine Einkaufsliste schreiben.“ Er antwortete immer, „ja, ja, hast Recht“ und machte sich schmunzelnd vom „Acker“.

Erich feierte seinen 66. Geburtstag und Helena schenkte ihm eine Dose Ginkokapseln, zusätzlich zu seinem geliebten Rotwein. 

„Mmh, was ist denn das?“, fragte ihr Mann.“ Naja, antwortete seine bessere Hälfte, wenn du dir schon keinen Einkaufszettel schreiben willst, dann muss dein „Oberstübchen“ fit bleiben.“ 

„Das Zeug brauch ich nicht,“ sagte Erich schroff, angelte sich seine Kiste Rotwein und verschwand damit im Kaminzimmer.

Helena kassierte die Ginkotabletten ein und ab sofort, lag täglich neben Erichs Blutdrucktablette zusätzlich eine Ginko- mit auf dem Frühstücksteller. Erich schluckte sie widerwillig.

Weihnachten nahte und Helena gab Wochen davor kleine Hinweise, was sich Frau so wünscht. Erich verstand den Wink mit dem Zaunpfahl sehr wohl, aber er musste immer noch Ginko Biloba Kapseln schlucken, und das wurmte ihn sehr. 

Absichtlich vergaß er wieder einmal dieses oder jenes, was ihm seine Frau auftrug, und wenn sie sich beschwerte, meinte er, „das Geld für die Kapseln kannst du dir sparen, siehst doch, es hilft nichts.“ Doch Helena legte weiterhin täglich eine Ginko auf seinen Frühstücksteller.

Als Erich eines Tages wieder einkaufen geschickt wurde, machte er sich anschließend auf zu einem Drogeriemarkt, seine Helena hatte ihm dort zwar nichts aufgetragen, aber er hatte sich ein schönes Geschenk für Weihnachten ausgedacht.

Er fragte eine Verkäuferin nach einer guten Faltencreme für seine Frau. 40 Euro musste er berappen, aber das war ihm Helena allemal wert. Danach gab es noch etwas wichtiges in einem anderen Geschäft zu tun.

Helena wartete schon ungeduldig auf ihren Mann. „Ich weiß, ich weiß,“ sagte dieser, bei seiner Ankunft zu Hause, „ich habe den Hans getroffen, und der hatte mir so viel zu erzählen, jetzt bin ich ja da.“ Helena nahm ihm missmutig den Einkaufskorb ab und verschwand eilig Richtung Küche.

Erich verschanzte sich mit einer guten Zigarre und einen Gläschen Rotwein in seinem gemütlichen Kaminzimmer, hing ein Schild von aussen an die Türklinke. „Bitte nicht stören!“

Es war Hl. Abend, nach dem Abendessen musizierten Helena und Erich zusammen, wie jedes Jahr. Er spielte Klavier, sie Geige. 

Danach überreichte jeder dem anderen ein kleines Päckchen. „Ui, so klein?“, wunderte sich Erich, der sich insgeheim auf eine neue Kiste Rotwein gefreut hatte, „so ein winziges Päckchen habe ich ja noch nie von dir bekommen.“ Neugierig machte er sich ans Auspacken. Es kam ein kleines Schlüsselchen zum Vorschein. „Ui“ sagte Erich nochmals verwundert. „Ist das der Schlüssel zu deinem Herzen, meine liebe Helena?“ „Sie musste lachen und gab ihm einen kleinen Rippenstoß, Erich, den hast du doch schon lange!“ „Na, wo paßt das Schlüsselchen dann?“ wollte er wissen. Das wirst du erst erfahren, wenn Olga kommt,“ schmunzelte sie, und ließ ihn weiter zappeln.“ Olga war ihre Tochter, und sie hatte heute Spätdienst, daher musste sich ihr Vater noch etwas gedulden.

„Jetzt du,“ sagte Erich. „Was ich?“, fragte Helena. „Ja willst du gar nicht wissen, was dir das Christkind gebracht hat?“ entgegnete ihr Mann. „Doch, doch, antwortete sie und wickelte ihr Geschenk sofort aus. „Eine Faltencreme mit extra viel Hyaluronsäure“, las sie vom Etikett der kleinen Cremedose. Hat die Verkäuferin die Päckchen verwechselt?“

„Nein“, sagte Erich, „ich habe sie höchst persönlich für dich ausgesucht und eingepackt.“ 

Helena hatte es urplötzlich eilig, „ich muss in die Küche“, verkündete sie und stellte das Geschenk  achtlos auf den Wohnzimmertisch ab.

Erich lächelte süffisant, nahm sich einige Plätzchen vom Teller, die seine Frau zur Feier des Tages gebacken hatte und holte ein Weinglas aus der Vitrine. Er überlegte wie er sich die halbe Stunde vertreiben könnte, bis seine Tochter vorbei kommt, legte sich aufs Sofa und angelte vom Regal die Fernbedienung.

In der Küche hörte er Helena werkeln, laut schepperte sie mit dem Geschirr, das machte sie immer, wenn sie grantig war. Er grinste zufrieden vor sich hin, und aß mit Genuss das Gebäck.„Backen kann sie, meine Helena,“ dachte er, schenkte sich ein Glas Rotwein ein und zappte von einem Programm zum anderen.

Dreißig Minuten später schellte die Hausglocke, schnell schaltete er das Fernsehgerät aus und lief in den Flur, um ein Haar wäre er mit Helena zusammengestoßen, denn auch sie hatte es eilig ihrer Tochter die Tür zu öffnen. „Bitte“ sagte Helena, Alter vor Schönheit!“ „Was heißt hier Alter, entgegnete Erich, ich bin gerade einmal zwei Tage älter als du und riß die Haustüre auf.

Schöne Weihnachten, rief ihnen ihre Tochter entgegen und umarmte sie beide. „Puh, bin ich froh, jetzt endlich die Beine hochlegen zu dürfen.“ Erich half seiner Tochter aus dem Mantel, und die Mutter eilte in die Küche um eine große Portion Gänsebraten mit Rotkohl und Knödel für Olga bereitzustellen.

„Papa erzähle mal, was hat dir das Christkind schönes gebracht?,“ wollte Olga wissen. Ein Schlüsselchen für Mamas  Herzl sagte er, und zwinkerte seiner Tochter  grinsend zu. „So, so, lachte Olga, dann brauchst du eigentlich dieses Geschenk gar nicht mehr.“ Sie hielt ihm eine flache Schachtel entgegen. Noch im Hausflur, auf dem Weg zur Küche,  hatte ihr Vater bereits das Geschenkpapier entfernt.  Olga, die ihm belustigt dabei zusah, schüttelte den Kopf  und merkte lachend an, „wie ein kleiner Junge, der es gar nicht mehr abwarten kann, bis er seine Spielzeugeisenbahn auspacken darf.“ Das ist ein abschließbares Zigarrenkistchen, rief Erich freudestrahlend, schnell holte er den Schlüssel dazu aus seiner Hosentasche und öffnete sein Geschenk. „Zigarren vom Feinsten, lobte er, mh und wie sie duften, Helena komm schnell, du musst schnuppern, gleich lief er mit dem Kistchen zu seiner Frau und hielt es ihr unter die Nase.

„Ja, die riechen wirklich gut,“ bestätigte ihm seine bessere Hälfte. 

„Diese Zigarren sind erst vor ein paar Tagen aus Kuba angereist“, fügte seine Tochter an.

Oh, jetzt weiß ich wirklich, dass Weihnachten ist, schwärmte Erich, und sog den Duft, den die Zigarren verströmten, nochmals tief in sich hinein. Ihr zwei seid zu gut zu mir, flüsterte er und umarmte seine Frauen. „Tja, wir schon, sagte Helena spitz.“ 

„Mama, nicht eifersüchtig sein, meldete sich Olga und strich ihrer Mutter liebevoll übers ergraute Haar, „für dich habe ich natürlich auch ein Geschenk“, gleich überreichte sie ihrer Mutter ein Kuvert.  Ein Verwöhntag für meine liebe Mama, stand auf dem Umschlag. Drinnen eine Karte „Gutschein für eine Gesichtsmassage und anschließender Gesichtspflege“, las Helena laut vor.

„Ihr seid so gemein“, rief Helena und hätte bald zu weinen begonnen. „Was ist denn Mama?,“ wollte ihre Tochter wissen.

Denkt ihr vielleicht nur ich allein werde alt, schimpfte Helena, du hast auch schon graue Strähnen, warf sie ihrer bald vierzigjährigen Tochter an den Kopf und du hast genauso viele Falten im Gesicht wie ich,“ sagte sie zu Erich. 

„Geh, Schatzilein,“ tröstete der Herr des Hauses seine Frau, „schau ich trag meine Falten mit Würde, das schaffst du doch auch und ausserdem muss ich noch dazu Ginko schlucken, damit ich klar in der „Birne“ bleibe, schau, das ist dir bisher erspart geblieben. Probier doch deine Creme einmal wenigstens aus, ich bin mir sicher, die hilft genauso viel wie meine Ginko-Kapseln.“ 

„Oh, daher weht der Wind!“, fauchte Helena, holte aus der Schublade die besagten Kaspeln und warf sie direkt in den Mülleimer. Dann rannte sie ins Wohnzimmer und kam mir der Cremedose zurück, „so Erich, ab heute brauchst du keine Kapseln mehr schlucken und ich brauche keine Faltencreme, und schwups war auch die im Abfallkübel verschwunden. „Halt“, brüllte Erich entsetzt. „Was jetzt, fragte Helena wirsch, willst du nun doch wieder die Kapseln einnehmen?“ „NEIN“, natürlich nicht, rief ihr Mann, aber du darfst die Creme nicht wegwerfen!“ „Was soll das nun wieder heißen?,“ wollte seine Frau wissen!

„Öffne doch bitte nur einmal den Deckel und riech wenigstens an deinem Weihnachtsgeschenk, bettelte Erich, ich habe ja auch an eurem Weihnachtsgeschenk gerochen!“

„Um des lieben Friedens willen“, sagte Helena und angelte die Dose aus dem Müll, öffnete den Deckel und war ausnahmsweise einmal sprachlos.

In einem kleinen Plastiksäckchen lag oben auf der Creme eine zierliche goldene Brosche mit kleinen Diamanten, die sie seit Wochen in der Auslage beim Juwelier Hufnagel bewundert hatte. 

„Darf ich sie dir anstecken?“, wollte Erich wissen. „Ich bitte darum, sagte Helena und stellte sich in Pose. „So jetzt kannst du die Creme entsorgen,“ meinte Erich, „sie hat ihren Zweck erfüllt.“ 

„Ach wenn ich mir das so genau überlege,“ gab Helena zu bedenken, jetzt wo ich sie schon einmal habe, könnte ich sie auch ausprobieren, wäre doch schade um das Geld!“ 

„Wenn du das willst, gerne,“ antwortete Erich, aber meine Gingo bleiben in der Tonne!“ Helena nickte nur und warf  erneut einen stolzen Blick auf ihre hübsche Brosche.

© Helga Kopp Juli 2019

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