Hl. Abend

Ich wünsche euch allen ein besinnliches und gesundes Weihnachtsfest!

Wie versprochen meine neueste Weihnachtsgeschichte.

Überfordert

Für klein Eva waren die vergangenen Monate sehr belastend. Immer wieder musste ihr Mama erklären, warum sie nicht in den Kindergarten gehen darf. Warum sie ihre Freundinnen nicht besuchen kann und warum Oma und Opa meist nur noch mit ihr telefonieren, oder ihr von der Ferne zuwinken. Uroma, die in einer anderen Stadt wohnte, durfte sie gar nicht mehr sehen, und dann hat man ihr erzählt, Uri sei gestorben, und lebe jetzt als Engel im Himmel. Das machte das Mädchen sehr, sehr traurig.

„Mama, fällt Weihnachten dieses Jahr wegen Corona aus?“, wollte Eva wissen. „Nein, mein Schatz, wir feiern auch dieses Jahr Weihnachten, nur anders“, tröstete sie die Mutter.

„Letztes Jahr hat Uri noch mit uns gefeiert, dann habe ich sie nie mehr gesehen, flüsterte das Mädchen traurig,“ eine dicke Träne rann über das kleine Gesichtchen. „Mama nahm ihre Tochter ganz fest in den Arm. „Schau Eva, Uroma war schon sehr alt, da sterben Menschen,“ meinte die Mutter. „Viele Menschen werden nicht 95 Jahre alt. Der liebe Gott hatte Uri sehr lieb, und sie konnte bis zum Schluss ohne fremde Hilfe leben, musste in kein Heim oder Krankenhaus.“ „Ich weiß“, schluchzte das Mädchen.  „Sind Oma und Opa auch schon sehr alt und müssen bald sterben, und darf ich sie jetzt wegen Corona gar nie mehr sehen?,“ fragte die Kleine. Mutter antwortete, „niemand weiß, wann wir gehen müssen, nur der liebe Gott.“

„Feiern wir wenigstens Weihnachten mit all den anderen zusammen, wie letztes Jahr,“ wollte Eva noch wissen. „Mit Tante Ludmilla, Onkel Franz und Toni und Andreas, Oma und Opa, mit Omama Hilde und Tante Ruth und Lilli. Kommt deine Freundin Monika uns wieder aus der Schweiz besuchen und ….“

„Halt meine Süsse“, unterbrach Mama sie, „ich glaube nicht, dass wir genauso Weihnachten wie letztes Jahr feiern können und dürfen.“

Aber, wenn alle einen Mundschutz tragen, Mama, dann dürfen sie doch zu uns kommen, bitte, bitte, bitte,“ bettelte das Kind. Die Mutter schüttelte nur den Kopf und strich ihrer Kleinen über den Rücken. „Ach Schatz, ich weiß auch nicht was da in Zukunft noch auf uns zukommen wird,“ sagte sie, „lass dich einfach mal überraschen.“ Sie streichelte ihrer Tochter liebevoll übers strohblonde Haar und verschwand eilig Richtung Küche, damit Eva die Tränen in ihren Augen nicht sehen konnte.

Am 1. Advent durfte Eva mit Mama und Papa einen Wunschzettel ans Christkind schreiben. Und den Eltern schnürte es fast das Herz ab, als das kleine Mädchen, dass noch nicht einmal in die Schule ging, ihnen diktierte. 

Liebes Christkind,

ich wünsche mir ein großes Puzzle, einen Teddybären und viele, viele Bücher, aber, wenn du es schaffst, dass Weihnachten alle wieder zu uns kommen dürfen, wie im letzten Jahr, dann brauchst du mir gar nichts bringen.

Danke, deine Eva.

Papa erklärte, dass das Christkind den letzten Wunsch nicht erfüllen kann, aber dass am Hl. Abend Omama bei ihnen sein wird,“schau es sollen doch so wenige Menschen wie möglich zusammen kommen, merkte Papa an, und Omama lebt alleine und nur Mama und ich kaufen für sie immer ein, sie ist so einsam, darum haben wir beschlossen, dass sie die Feiertage zu uns kommt.“ „Nur Omama?“ „Dann wird es aber verdammt langweilig,“ sagte Eva traurig.

Nein, langweilig wird es bestimmt nicht, versprach Mama und steckte Eva’s Wunschzettel in ein rosarotes Kuvert und schrieb mit großen Buchstaben, An das Christkind, in Himmelstadt darauf. 

Am Hl. Abend holte der Vater Omama schon früh morgens von zu Hause ab, so konnten sie alle zusammen frühstücken. Danach ging jeder seinen Aufgaben nach. Omama Hilde und Mama hatten in der Küche zu tun. Papa sollte den Christbaum ins Haus holen und schmücken. Klein Eva die Krippenfiguren aufstellen.

Der Herr des Hauses war mit seiner Aufgabe schnell fertig. Jetzt musste sein Gesamtkunstwerk nur noch von seiner besseren Hälfte und Omama abgenommen werden. Beide beäugten sein Werk kritisch. Hier kannst du noch ein wenig mehr Lametta hin hängen, meinte Omama, die mit Argusaugen langsam den Baum umrundete, während seine Frau die eine oder andere Kugel umhängte „Das hast du im großen und ganzen gut gemacht, Roland,“ sagte sie anerkennend. „Ich muss zugeben, ich habe dir das gar nicht zugetraut.“ Tja, meine Talente werden immer unterschätzt“, lachte Roland und begann mit den Aufräumarbeiten.

„Was macht eigentlich Eva“, wollte Mama wissen.

Die hat bisher den Stall aufgebaut, das Stroh verteilt, die Tiere aufgestellt und war dann in ihrem Zimmer verschwunden, entsann sich Papa „Hat sie keine Lust mehr, fragte seine Frau.“ „Ich weiß nicht, entgegnete Vater, sie hatte schon einige Figuren aufgestellt, dann wieder weggenommen und jetzt hat sie sich in ihr Zimmer verschanzt. 

Die Familie ass zu Mittag. Kaum war Eva’s Teller leer, sprang sie vom Stuhl. Sie habe noch ganz viel zu tun, erzählte sie Omama. „ Schaffst du das Aufstellen der Krippe noch, bevor das Christkind kommt“, wollte die alte Dame von ihr wissen. „Ja das hoffe ich“, rief Eva und rannte den Gang hinunter.

Es war dunkel geworden. Mutter wollte die Geschenke unter den Lichterbaum stellen, aber sie hörte ihre Tochter noch im Wohnzimmer rumoren. Neugierig schaute sie durchs Schlüsselloch, ein paar Figuren aufzustellen, konnte doch ihre Kind nicht so überfordern, grübelte sie. Sie öffnete die Türe und fragte, „Schätzchen, kann ich dir irgendwie helfen?“

„Ja Mama“, wie war das noch einmal mit den neuen Vorschriften in der Pandemie. Ich habe jetzt für Maria, Josef, das Jesuskind, für alle Hirten und für die Heiligen drei Könige einen Mundschutz gebastelt, aber jetzt ist mir eingefallen, dass unsere Verwandten auch mit Mundschutz nicht zu uns kommen dürfen. Man muss Abstand halten, wer darf wann und wie zum Jesuskind? Mama ich bekomme das nicht auf die Reihe.“  Ich kann mich nicht entscheiden, wo sollen die Hirten stehen. Es sind alles Fremde, dürfen die überhaupt zum Jesuskind gehen, ach, ich kann mich einfach nicht entscheiden!

Soll ich einen Hirten heute da hin stellen“, Eva zeigte ganz an den Rand der Hütte, „ihn morgen wegnehmen und einen anderen Hirten neben die Krippe stellen, und was ist, wenn sich die Hl. Familie ansteckt, lieber doch erst eine Woche später wieder einen Hirten kommen lassen, du weißt schon Mama, wegen der Indu … Idiku… wie heißt das? Ich weiß einfach nicht was ich tun soll, vielleicht ist es am besten, wir lassen Weihnachten ganz ausfallen“, schrie Eva entnervt und stürzte sich in die Arme ihrer Mutter.

Roland der fassungslos die Szene von Weitem verflogt hatte, rief: „ Alle Hirten und die Hl. drei Könige bleiben dieses Jahr zu Hause in ihrer Schachtel! So weit kommt es noch, dass wir uns von einem Virus den Hl. Abend verderben lassen. Eva lauf schnell und mach dich hübsch, draussen wartet schon das Christkind!

@ Helga Kopp November 2020

in einem Büchlein

fand ich neulich beim Aufräumen nachfolgenden Text.

Den ersten Absatz werden wohl die meisten kennen, wie oft haben wir den früher in ein Poesiealbum geschrieben, oder geschrieben bekommen. Interessant fand ich die beiden nächsten Absätze, die waren mir neu.

Hab Sonne im Herzen, ob’s stürmt oder schneit, 

ob der Himmel voll Wolken, die Erde voll Streit ….

Hab Sonne im Herzen, dann komme was mag:

Das leuchtet voll Licht dir den dunkelsten Tag!

Hab ein Lied auf den Lippen mit fröhlichem Klang 

und macht auch des Alltags Gedränge dich bang ….

Hab ein Lied auf den Lippen, dann komme was mag:

Das hilft dir verwinden den einsamsten Tag!

Hab ein Wort auch für andre in Sorg und in Pein

und sag, was dich selber so frohgemut lässt sein:

Hab ein Lied auf den Lippen, verlier nie den Mut,

hab Sonne im Herzen, und alles wird gut!

Cäsar Flaischlen

Angst

die Angst geht um

noch lange ist sie nicht rum.

Jeder beäugt jeden –

hat Angst um sein Leben

Distanziert sich, hat Berührungsängste;

diese Art Grippe wird wohl die längste.

Hände waschen, husten in die Ellenbeuge.

Absage von Veranstaltungen rauben 

dem Menschen die Lebensfreude.

Panikmache, Hamsterkäufe,

schlimme Krankheitsverläufe.

Schulen und Kindergärten sind dicht –

kein Ende auf lange Sicht!

Wieder Grenzkontrollen –

Menschen dürfen nicht hinfahren,

wohin sie wollen.

Krankenhäuser machen zu,

Gesundheitsämter kommen nicht zur Ruh‘.

Flüge werden abgesagt –

Einkaufen gehen, ist schon gewagt.

Arbeiter bleiben zu Haus.

Mit mancher Firma ist es aus.

Angst steckt an, das ist nicht gut,

bleib ohne Angst auf der Hut!

Strahle Licht in die Welt und bleibe positiv,

Motto in diesen Tagen heißt – sei kreativ!

© März 2020 Helga Kopp

Zeit

Satzeichen habe ich mir dieses Mal „gespart“, die dürft ihr euch dazu denken :-).

Zeit

plötzlich Zeit

kein Mensch weit und breit

gefangen

bangen

genervt

Sinne geschärft

Hände geben

nie im Leben

Alltag reduziert

verwirrt

halt aus

lern was draus

der Nächste ist wichtig

sei umsichtig

Langeweile

keine Eile

Zeit allein

auch nicht fein

Leben steht still

auf der Straße kein Gebrüll

Frühling –  wenig Freude

hockst im Gebäude

Regale leer

das Gemüt schwer

darfst dein Kind nicht seh’n

nicht zu ihm geh’n

Feste 

ohne Gäste

kein Ende in Sicht

kein Tunnel zum Licht

Hände waschen

Menschen mit übervollen Taschen

bange Fragen

schwierige Wirtschaftslagen

was dann

und wann

© Helga Kopp März 2020

frohe Weihnachten

Ich wünsche allen Lesern ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest.

Viele schöne Momente, an die ihr euch gerne erinnert.

Hier eine meiner Weihnachtsgeschichten für euch.

Alles für die Tonne, oder? © Helga Kopp

Erich und Helena sind ein älteres Ehepaar. Helena ist Russlanddeutsche, und obwohl sie schon viele Jahre in Deutschland lebt, schämt sie sich, weil sie die Sprache nicht akzentfrei spricht, daher geht sie nicht gerne einkaufen. Seit Erich in Rente ist, muss er das übernehmen. 

„Schreib dir einen Einkaufszettel“, sagt sie zu ihm, aber Erich antwortet jedes Mal wieder, das kann ich mir merken!“ 

Helena möchte Linsen haben, Linsen mag Erich gar nicht. Daher brachte Erich öfter statt Linsen Erbsen nach Hause. Oder anstelle von Leberwurst, Salami, oder statt Kopfsalat, Eisbergsalat. Wenn ihn seine Frau darauf ansprach, entgegnete er, ach ich bin mir sicher, du hast mir das so aufgetragen. Helena schimpfte dann mit ihm, „Erich, du wirst vergesslich, du solltest dir das nächste Mal eine Einkaufsliste schreiben.“ Er antwortete immer, „ja, ja, hast Recht“ und machte sich schmunzelnd vom „Acker“.

Erich feierte seinen 66. Geburtstag und Helena schenkte ihm eine Dose Ginkokapseln, zusätzlich zu seinem geliebten Rotwein. 

„Mmh, was ist denn das?“, fragte ihr Mann.“ Naja, antwortete seine bessere Hälfte, wenn du dir schon keinen Einkaufszettel schreiben willst, dann muss dein „Oberstübchen“ fit bleiben.“ 

„Das Zeug brauch ich nicht,“ sagte Erich schroff, angelte sich seine Kiste Rotwein und verschwand damit im Kaminzimmer.

Helena kassierte die Ginkotabletten ein und ab sofort, lag täglich neben Erichs Blutdrucktablette zusätzlich eine Ginko- mit auf dem Frühstücksteller. Erich schluckte sie widerwillig.

Weihnachten nahte und Helena gab Wochen davor kleine Hinweise, was sich Frau so wünscht. Erich verstand den Wink mit dem Zaunpfahl sehr wohl, aber er musste immer noch Ginko Biloba Kapseln schlucken, und das wurmte ihn sehr. 

Absichtlich vergaß er wieder einmal dieses oder jenes, was ihm seine Frau auftrug, und wenn sie sich beschwerte, meinte er, „das Geld für die Kapseln kannst du dir sparen, siehst doch, es hilft nichts.“ Doch Helena legte weiterhin täglich eine Ginko auf seinen Frühstücksteller.

Als Erich eines Tages wieder einkaufen geschickt wurde, machte er sich anschließend auf zu einem Drogeriemarkt, seine Helena hatte ihm dort zwar nichts aufgetragen, aber er hatte sich ein schönes Geschenk für Weihnachten ausgedacht.

Er fragte eine Verkäuferin nach einer guten Faltencreme für seine Frau. 40 Euro musste er berappen, aber das war ihm Helena allemal wert. Danach gab es noch etwas wichtiges in einem anderen Geschäft zu tun.

Helena wartete schon ungeduldig auf ihren Mann. „Ich weiß, ich weiß,“ sagte dieser, bei seiner Ankunft zu Hause, „ich habe den Hans getroffen, und der hatte mir so viel zu erzählen, jetzt bin ich ja da.“ Helena nahm ihm missmutig den Einkaufskorb ab und verschwand eilig Richtung Küche.

Erich verschanzte sich mit einer guten Zigarre und einen Gläschen Rotwein in seinem gemütlichen Kaminzimmer, hing ein Schild von aussen an die Türklinke. „Bitte nicht stören!“

Es war Hl. Abend, nach dem Abendessen musizierten Helena und Erich zusammen, wie jedes Jahr. Er spielte Klavier, sie Geige. 

Danach überreichte jeder dem anderen ein kleines Päckchen. „Ui, so klein?“, wunderte sich Erich, der sich insgeheim auf eine neue Kiste Rotwein gefreut hatte, „so ein winziges Päckchen habe ich ja noch nie von dir bekommen.“ Neugierig machte er sich ans Auspacken. Es kam ein kleines Schlüsselchen zum Vorschein. „Ui“ sagte Erich nochmals verwundert. „Ist das der Schlüssel zu deinem Herzen, meine liebe Helena?“ „Sie musste lachen und gab ihm einen kleinen Rippenstoß, Erich, den hast du doch schon lange!“ „Na, wo paßt das Schlüsselchen dann?“ wollte er wissen. Das wirst du erst erfahren, wenn Olga kommt,“ schmunzelte sie, und ließ ihn weiter zappeln.“ Olga war ihre Tochter, und sie hatte heute Spätdienst, daher musste sich ihr Vater noch etwas gedulden.

„Jetzt du,“ sagte Erich. „Was ich?“, fragte Helena. „Ja willst du gar nicht wissen, was dir das Christkind gebracht hat?“ entgegnete ihr Mann. „Doch, doch, antwortete sie und wickelte ihr Geschenk sofort aus. „Eine Faltencreme mit extra viel Hyaluronsäure“, las sie vom Etikett der kleinen Cremedose. Hat die Verkäuferin die Päckchen verwechselt?“

„Nein“, sagte Erich, „ich habe sie höchst persönlich für dich ausgesucht und eingepackt.“ 

Helena hatte es urplötzlich eilig, „ich muss in die Küche“, verkündete sie und stellte das Geschenk  achtlos auf den Wohnzimmertisch ab.

Erich lächelte süffisant, nahm sich einige Plätzchen vom Teller, die seine Frau zur Feier des Tages gebacken hatte und holte ein Weinglas aus der Vitrine. Er überlegte wie er sich die halbe Stunde vertreiben könnte, bis seine Tochter vorbei kommt, legte sich aufs Sofa und angelte vom Regal die Fernbedienung.

In der Küche hörte er Helena werkeln, laut schepperte sie mit dem Geschirr, das machte sie immer, wenn sie grantig war. Er grinste zufrieden vor sich hin, und aß mit Genuss das Gebäck.„Backen kann sie, meine Helena,“ dachte er, schenkte sich ein Glas Rotwein ein und zappte von einem Programm zum anderen.

Dreißig Minuten später schellte die Hausglocke, schnell schaltete er das Fernsehgerät aus und lief in den Flur, um ein Haar wäre er mit Helena zusammengestoßen, denn auch sie hatte es eilig ihrer Tochter die Tür zu öffnen. „Bitte“ sagte Helena, Alter vor Schönheit!“ „Was heißt hier Alter, entgegnete Erich, ich bin gerade einmal zwei Tage älter als du und riß die Haustüre auf.

Schöne Weihnachten, rief ihnen ihre Tochter entgegen und umarmte sie beide. „Puh, bin ich froh, jetzt endlich die Beine hochlegen zu dürfen.“ Erich half seiner Tochter aus dem Mantel, und die Mutter eilte in die Küche um eine große Portion Gänsebraten mit Rotkohl und Knödel für Olga bereitzustellen.

„Papa erzähle mal, was hat dir das Christkind schönes gebracht?,“ wollte Olga wissen. Ein Schlüsselchen für Mamas  Herzl sagte er, und zwinkerte seiner Tochter  grinsend zu. „So, so, lachte Olga, dann brauchst du eigentlich dieses Geschenk gar nicht mehr.“ Sie hielt ihm eine flache Schachtel entgegen. Noch im Hausflur, auf dem Weg zur Küche,  hatte ihr Vater bereits das Geschenkpapier entfernt.  Olga, die ihm belustigt dabei zusah, schüttelte den Kopf  und merkte lachend an, „wie ein kleiner Junge, der es gar nicht mehr abwarten kann, bis er seine Spielzeugeisenbahn auspacken darf.“ Das ist ein abschließbares Zigarrenkistchen, rief Erich freudestrahlend, schnell holte er den Schlüssel dazu aus seiner Hosentasche und öffnete sein Geschenk. „Zigarren vom Feinsten, lobte er, mh und wie sie duften, Helena komm schnell, du musst schnuppern, gleich lief er mit dem Kistchen zu seiner Frau und hielt es ihr unter die Nase.

„Ja, die riechen wirklich gut,“ bestätigte ihm seine bessere Hälfte. 

„Diese Zigarren sind erst vor ein paar Tagen aus Kuba angereist“, fügte seine Tochter an.

Oh, jetzt weiß ich wirklich, dass Weihnachten ist, schwärmte Erich, und sog den Duft, den die Zigarren verströmten, nochmals tief in sich hinein. Ihr zwei seid zu gut zu mir, flüsterte er und umarmte seine Frauen. „Tja, wir schon, sagte Helena spitz.“ 

„Mama, nicht eifersüchtig sein, meldete sich Olga und strich ihrer Mutter liebevoll übers ergraute Haar, „für dich habe ich natürlich auch ein Geschenk“, gleich überreichte sie ihrer Mutter ein Kuvert.  Ein Verwöhntag für meine liebe Mama, stand auf dem Umschlag. Drinnen eine Karte „Gutschein für eine Gesichtsmassage und anschließender Gesichtspflege“, las Helena laut vor.

„Ihr seid so gemein“, rief Helena und hätte bald zu weinen begonnen. „Was ist denn Mama?,“ wollte ihre Tochter wissen.

Denkt ihr vielleicht nur ich allein werde alt, schimpfte Helena, du hast auch schon graue Strähnen, warf sie ihrer bald vierzigjährigen Tochter an den Kopf und du hast genauso viele Falten im Gesicht wie ich,“ sagte sie zu Erich. 

„Geh, Schatzilein,“ tröstete der Herr des Hauses seine Frau, „schau ich trag meine Falten mit Würde, das schaffst du doch auch und ausserdem muss ich noch dazu Ginko schlucken, damit ich klar in der „Birne“ bleibe, schau, das ist dir bisher erspart geblieben. Probier doch deine Creme einmal wenigstens aus, ich bin mir sicher, die hilft genauso viel wie meine Ginko-Kapseln.“ 

„Oh, daher weht der Wind!“, fauchte Helena, holte aus der Schublade die besagten Kaspeln und warf sie direkt in den Mülleimer. Dann rannte sie ins Wohnzimmer und kam mir der Cremedose zurück, „so Erich, ab heute brauchst du keine Kapseln mehr schlucken und ich brauche keine Faltencreme, und schwups war auch die im Abfallkübel verschwunden. „Halt“, brüllte Erich entsetzt. „Was jetzt, fragte Helena wirsch, willst du nun doch wieder die Kapseln einnehmen?“ „NEIN“, natürlich nicht, rief ihr Mann, aber du darfst die Creme nicht wegwerfen!“ „Was soll das nun wieder heißen?,“ wollte seine Frau wissen!

„Öffne doch bitte nur einmal den Deckel und riech wenigstens an deinem Weihnachtsgeschenk, bettelte Erich, ich habe ja auch an eurem Weihnachtsgeschenk gerochen!“

„Um des lieben Friedens willen“, sagte Helena und angelte die Dose aus dem Müll, öffnete den Deckel und war ausnahmsweise einmal sprachlos.

In einem kleinen Plastiksäckchen lag oben auf der Creme eine zierliche goldene Brosche mit kleinen Diamanten, die sie seit Wochen in der Auslage beim Juwelier Hufnagel bewundert hatte. 

„Darf ich sie dir anstecken?“, wollte Erich wissen. „Ich bitte darum, sagte Helena und stellte sich in Pose. „So jetzt kannst du die Creme entsorgen,“ meinte Erich, „sie hat ihren Zweck erfüllt.“ 

„Ach wenn ich mir das so genau überlege,“ gab Helena zu bedenken, jetzt wo ich sie schon einmal habe, könnte ich sie auch ausprobieren, wäre doch schade um das Geld!“ 

„Wenn du das willst, gerne,“ antwortete Erich, aber meine Gingo bleiben in der Tonne!“ Helena nickte nur und warf  erneut einen stolzen Blick auf ihre hübsche Brosche.

© Helga Kopp Juli 2019

Bitte an den Winter

Trübe ist es – dunkel,

vermisse der Sonne Gefunkel!

Winter zog ins Land,

Mensch hüllt sich in dickes Gewand.

Du rauer Geselle,

geh’ weg auf der Stelle!

Hl. Abend, darfst du mich besuchen,

da würde ich dich gerne buchen.

Beschenke uns mit Schnee und Eis,

einer Landschaft ganz in weiß.

Schlitten fahren, Schneemann bauen,

vergessen sind des Winter’s Grauen.

Sind die Feiertage dann vorbei,

bitte, nimm dir einfach frei.

Bleib mild gestimmt und ruh dich aus,

denn jeder muss jetzt wieder aus dem Haus!

Oktober 2018 © Helga Kopp

3. Advent

Heute gibt es einmal wieder ein „altes“ Gedicht von mir, das ich vor vielen Jahren geschrieben habe. Mundart, die meisten meiner Gedichte und Geschichten sind in Mundart geschrieben, so wie mir der Schno(a)b’l g’wachsen is.

Und wir sind ja hier in Niederbayern, nicht zu vergessen! 😉

Habt’s an scheener Dog und vielleicht kennt’sas lesen.

Nix

Wos host denn du heit Namidog do, hot mi wer gfrogt.

I? 

Nix, hob i gsogt.

Wos nix –  gor nix, host du g’macht!

Na! – Halt doch, i hob heit vui nochdacht.

Hob g’sehn dass schneibt, do hob i mir a Tass Tee g’macht,

a Kerzl o’zündt, mi zum Fenster g’hockt und vor mi zufrieden hig’lacht.

An Nachbarn sei Koder is durch’n Schnee g’stapft, grod plogt hot er se –

de schwarze Katz und der weisse Schnää, des hot mir g’falln, des war schee!

Nachat san zwoi Buam af’n Buckel ume kämma, mit na Plastiktüten.

De ham mi irgendwie d’barmt, die Tüten war halt oafach koa Schlitten.

Später san no a poor Madl dazuakämma, de ham nacha de Buma d’bleckt, aber de Birscherl ham se koan Scheisser hoassen lassen und ham de Weiber mit Schneebäll ei’deckt.

Mei war des a G’schror, do kimmst fei nachat ins sinniern, ma war ja a amol a Kind! 

Hernoch dann hams alle mitanander an Schneemo baut, du des ging vielleicht g’schwind!

Wia i dene so zuag’schaut hob, do war i a nomal a Derndl – hobs Leben so Revue passiern lassen, und wia i wieder vo d‘ Vergangenheit zruckkämma bi, wars nacht draussen, und i wieder d‘ Muader von an fast erwachsenen Kind – net zu fassen!

Do hot de ander g’moant, do häst dei Zeit a besser nutzen kenna!“

Na, hob i gsagt, i mog ned blos allerweil renna!

De Zeit, de geht eh viel zu schnell vorbei, i will a a wengerl wos hom vom Leb’m, ned nur allerweil hetzen, schuften und noch no mehra streb’m.

Mog a amal alloa sei mit mir, am Herrgott und d‘ Welt –

de Zeiten ko mia koana afwieg’n, aned mit  no so vui Geld.

© Helga Kopp, irgendwann vor 2007